Craftbeer oder Craftbier die Erklärung

Craftbeer

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Craftbeer resp. Craftbier- die Erklärung

Craftbeer steht für abwechslungsreiche Biersorten, Kreativität, das Aussergewöhnliche, Leidenschaft von der Idee bis zum fertigen Bier und Aromenreichtum.

Craftbeer resp. Craftbier ist gerade in aller Munde, wenn auch nicht immer in flüssiger Form. Ob Craft Beer resp. Craftbeer resp. Craftbier kommt aus dem Englischen. In der Schweiz brauchen wir oft die Kombination von Englisch und Deutsch. Craft Bier resp. Craftbier.

Craftbeer resp. Craftbier ist nicht IPA

IPA ist ein Bierstil, der ursprünglich aus England stammt. IPAs zeichnen sich durch eine besonders intensive Hopfung aus. In den USA hat sich eine Variante des Stils herausgebildet, die durch die Verwendung amerikanischer Hopfensorten wie Citra und Cascade vor allem mit fruchtigen Noten besticht. Nicht selten wird die Intensität dieser American IPAs noch durch sogenanntes Trockenhopfen verstärkt.

Craftbeer resp. Craftbier zeichnet sich nicht durch eine extreme Hopfung aus. Es stimmt, dass so manches amerikanische Bier, welches den Weg nach Europa findet, eine wahre Hopfenbombe ist. Dennoch ist das keine zwingende Eigenschaft eines Craftbeer resp. Craftbiers.

Craftbeer resp. Craftbier kommt nicht aus den USA. Auch wenn die Craftbeer resp. Craftbier Bewegung in den Vereinigten Staaten das Thema vor einigen Jahren in ein ganz neues Licht gerückt und mit jeder Menge Innovation und Energie aufgeladen hat, so bleibt sie doch genau das: Eine Bewegung.

Doch was ist dieses ominöse Craftbeer resp. Craftbier denn nun wirklich?

Craft bedeutet übersetzt in ungefähr «Handwerk». Es handelt sich also um «handwerklich» oder «von Hand» hergestelltes Bier und stellt damit einen Kontrast zur industriellen Massenware dar. Eine schöne Analogie kann man hier zum Beispiel bei Gläsern finden. Es gibt Gläser, die in grossen Massen von Maschinen gepresst werden. Diese Gläser sind nicht zwangsläufig schlecht (aus den meisten kann man ganz gut trinken), ähneln sich aber oft sogar zwischen verschiedenen Herstellern.

Dann gibt es mundgeblasene Gläser, deren Aussehen vom jeweiligen Glasbläser von Glas zu Glas neu gestaltet werden kann, und die oftmals einfach einen ganz anderen Eindruck an Grazilität vermitteln als ihre industriellen Pendants. Ähnliche Beispiele kann man in vielen Bereichen finden, in denen man grosse Industrieproduktionen kleinen handwerklichen Betrieben gegenüberstellen kann.

Jetzt höre ich einige von euch sagen: «Doch Moment mal. BrewDog? Stone Brewing Co.? Die haben einen so grossen Ausstoss, das hat doch nichts mehr mit Handwerk zu tun.» Auch wenn sich das zunächst nach einem schlüssigen Argument anhört, basiert es auf einer falschen Annahme.

Die handwerkliche Komponente findet bei der Bierherstellung nämlich nicht vordergründig im Brauprozess statt. Bier hat es an sich, dass es schnell grössere technische Gerätschaften erfordert um in gewissen Mengen gebraut zu werden. Selbst zu meinen Heimbrauzeiten braucht man für ca. 20 Liter Endprodukt einen 40 Liter Kupferkessel und mehrere Fässer mit einem ähnlichen Fassungsvermögen. Das vermittelt vielleicht eine ungefähre Vorstellung der benötigten Behältnisse.

Viele Heimbrauer arbeiten heute zudem schon mit diversen Geräten für gleichmässige Temperaturkontrolle und zum Rühren der Maische. Will man einen grösseren Ausstoss erzeugen, ist also eher eine Skalierung an dieser Stelle nötig und weniger eine drastische Änderung im Brauprozess.

Und wo kommt jetzt das Handwerk ins Spiel? Ganz einfach: Bevor ein Bier in die grosse Produktion geht, muss es erst einmal konzipiert werden. Es gilt (stark vereinfacht gesagt) eine Geschmacksidee für das Bier zu entwickeln und in ein Hopfen-, Hefe- und Malzprofil umzusetzen. Ein handwerklich gebrautes Bier unterscheidet sich dabei vor allem in dieser Idee. Hier versucht der Braumeister nämlich etwas zu schaffen was schmeckt. Und zwar nicht jedem und überall, sondern meist vor allem ihm selbst. Kein Craft Brewer würde ein Bier in Umlauf bringen, von dem er nicht selbst absolut überzeugt ist.

Um das Bier geschmacklich zu entwickeln kommen dann eben oft Minibrauanlagen und jede Menge Experimentierfreudigkeit zum Einsatz. Oder es wird mit viel Liebe ein altes Rezept verfolgt, das sich bereits seit Jahren bewährt hat. Aber auch hier losgelöst von dem, was der Massengeschmack erwartet. Im industriellen Bereich hingegen kann man es sich nicht leisten den Massengeschmack zu ignorieren.

Zusammengefasst kann man also sagen: Während eine grosse industrielle Brauerei Biere mit dem Ziel braut, eine möglichst grosse Konsumentenschicht zu erreichen, verfolgt eine Craftbrewer das Ziel möglichst aromatisches Bier zu brauen. Wenn sich genügend Konsumenten finden, die die Biere einer Handwerksbrauerei zu schätzen wissen, kann die Brauerei dadurch durchaus stark wachsen.

Craft Brewing ist eben mehr eine geistige Grundhaltung, die Liebe zum Bier und seinen Rohstoffen beinhaltet, als ein technisch zu definierender Begriff.

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